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Pluto
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Pluto (IPA: [] ) ist der gröĂte und zweitmassivste bekannte Zwergplanet des Sonnensystems und das am lĂ€ngsten bekannte Objekt des KuipergĂŒrtels. Er bewegt sich auf einer noch exzentrischeren Bahn um die Sonne als der Planet Merkur. Sein Volumen entspricht etwa einem Drittel des Erdmondes.
Das astronomische Symbol des Pluto ist âcite-ref-3[3]cite-ref-4[4]. Pluto ist nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt. Nach dem Zwergplaneten wiederum wurden die neuen Klassen der Plutoiden und der Plutinos benannt.
Von seiner Entdeckung am 18. Februar 1930 bis zur Neudefinition des Begriffs âPlanetâ am 24. August 2006 durch die Internationale Astronomische Union (IAU) galt Pluto als der neunte und Ă€uĂerste Planet des Sonnensystems. Nachdem immer mehr Plutoiden â also Ă€hnlich groĂe Körper des KuipergĂŒrtels â gefunden worden waren, wurde eine prĂ€zisere Begriffsdefinition entwickelt. Seither wird er der Kategorie Zwergplanet zugeordnet und erhielt die Kleinplanetennummer (134340) Pluto.
Im Januar 2006 wurde mit New Horizons erstmals eine Raumsonde zu Pluto ausgesandt; sie passierte ihn am 14. Juli 2015 in 12.500 km Entfernung.cite-ref-jhuapledu1-5-0[5]
Contents
âą Bahn
âą Rotation
âą Aufbau
âą Innerer Aufbau
⹠OberflÀche
⹠AtmosphÀre
âą Monde
âą Erforschung
âą Entdeckung
âą Sichtbarkeit
âą Rezeption
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Dokumentarfilme
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Umlaufbahn und Rotation
Bahn
Pluto benötigt fĂŒr eine Sonnenumrundung 247,94 Jahre. Im Vergleich zu den Planetenbahnen ist die Umlaufbahn Plutos deutlich exzentrischer, mit einer ExzentrizitĂ€t von 0,2488. Das heiĂt, der Abstand zur Sonne ist bis zu 24,88 % kleiner oder gröĂer als die groĂe Halbachse.
Der sonnenfernste Punkt der Plutobahn, das Aphel, liegt bei 49,305 AE, wĂ€hrend der sonnennĂ€chste Punkt, das Perihel, mit 29,658 AE nĂ€her an der Sonne liegt als die viel kreisförmigere Bahn Neptuns. Beide Bahnen verlaufen nicht in derselben Ebene, die Ebene der Plutobahn ist stĂ€rker gegen die Ekliptik geneigt als die der Neptunbahn. Die Bahnkurven schneiden sich nicht, der Abstand der beiden Himmelskörper bleibt stets gröĂer als etwa 17 AE.cite-ref-6[6] Vom 7. Februar 1979 bis zum 11. Februar 1999 durchlief Pluto zum letzten Mal den Bereich, in dem er der Sonne nĂ€her ist als die Neptunbahn. Das Perihel passierte Pluto 1989. Das nĂ€chste Aphel wird er im Jahr 2113 erreichen. Dort betrĂ€gt die Sonnenstrahlung nur etwa 0,563 W/mÂČ. Auf der Erde ist sie 2430-mal so hoch. Vom Pluto aus betrachtet hat die Sonne einen scheinbaren Durchmesser von nur etwa 50âł und sieht damit wie ein blendend heller Stern etwa der â19. GröĂenklasse aus (150-mal heller als der Vollmond). Sie schwankt wĂ€hrend eines Plutojahres um etwa 1,1 GröĂenklassen.
In der Zeit, in der Neptun dreimal die Sonne umrundet, bewegt sich Pluto genau zweimal um die Sonne. Man spricht daher von einer 3:2-Bahnresonanz. Viele KuipergĂŒrtelobjekte befinden sich wie Pluto in einer solchen 3:2-Bahnresonanz mit Neptun, und sie werden deswegen als Plutinos bezeichnet. Dass deren typischerweise sehr exzentrische Umlaufbahnen ĂŒber Jahrmillionen stabil sind, lĂ€sst sich mit Methoden der Himmelsmechanik zeigen.
Pluto galt bis zur Entdeckung vieler anderer, Ă€hnlicher Objekte als ein entwichener Mond des Neptun.cite-ref-7[7] Seine ausgeprĂ€gt exzentrische und mit 17° stark gegen die Ekliptik geneigte Bahn und geringe GröĂe lieĂen das vermuten. Der groĂe Neptunmond Triton soll von Neptun eingefangen worden sein und dabei das ursprĂŒngliche Mondsystem betrĂ€chtlich gestört haben: Pluto sei dadurch aus dem Neptunsystem herauskatapultiert worden und die erhebliche BahnexzentrizitĂ€t des Neptunmondes Nereid sei entstanden. FĂŒr das Einfangen des Triton spricht dessen rĂŒcklĂ€ufiger Umlaufsinn, weshalb das nach wie vor die gĂ€ngige Theorie fĂŒr Triton ist. Jedoch wurde die Hypothese des entwichenen Pluto mittlerweile fallengelassen. Die Entdeckung zahlreicher weiterer transneptunischer Objekte im Sonnensystem hat erwiesen, dass Pluto der gröĂte und jedenfalls der hellste Vertreter des KuipergĂŒrtels ist, einer AnhĂ€ufung von tausenden Asteroiden und Kometenkernen in einer scheibenförmigen Region hinter der Neptunbahn. Die Entstehungsgeschichte von Pluto ist demnach eng mit der des KuipergĂŒrtels verknĂŒpft, der aus Resten der Bildung des Ă€uĂeren Planetensystems besteht. Auch Triton soll vor seinem vermuteten Einfang ein Mitglied dieses GĂŒrtels gewesen sein.
Rotation
Pluto rotiert in 6,387 Tagen einmal um seine Achse. Die Ăquatorebene ist um 122,53° gegen die Bahnebene geneigt, somit rotiert Pluto rĂŒcklĂ€ufig. Unter den bekannten Zwergplaneten im Sonnensystem ist das nur bei Pluto der Fall; unter den Planeten weisen nur Venus (177,36°) und Uranus (97,77°) einen retrograden Rotationssinn auf.
Die relativ langsame Eigendrehung des Zwergplaneten ist durch die GezeitenkrĂ€fte an die Umlaufbewegung seines sehr groĂen Mondes Charon gebunden. Pluto und Charon waren die ersten und ĂŒber lĂ€ngere Zeit die einzigen bekannten Körper im Sonnensystem mit einer doppelt gebundenen Rotation, bis im KuipergĂŒrtel sowie im AsteroidengĂŒrtel Ă€hnlich geartete Systeme gefunden wurden, wie (90) Antiope mit deren Begleiter Antiope B.
Die Bestimmung der Pole erfolgte fĂŒr den Zwergplaneten so, dass sein Nordpol jener Drehpunkt ist, an dem die Drehung der OberflĂ€che gegen den Uhrzeigersinn lĂ€uft. Durch Plutos retrograden Rotationssinn weist die Achsenrichtung seines Nordpols somit, im Unterschied zu den Planeten, sĂŒdlich der Ekliptik.
Aufbau
Mit einem Durchmesser von lediglich 2374 km ist Pluto deutlich kleiner als die sieben gröĂten Monde im Sonnensystem. Sein Aufbau Ă€hnelt vermutlich dem des gröĂeren und noch kĂ€lteren Triton. Er ist von Ă€hnlicher Dichte, besitzt eine sehr dĂŒnne AtmosphĂ€re aus Stickstoff, ist ebenso von einer eher rötlichen FĂ€rbung, hat Polkappen, und in Richtung des Ăquators herrschen dunklere Gebiete vor.
Innerer Aufbau
Nach dem aktuellen Modell von Plutos Aufbau hat sich sein Inneres durch die WĂ€rme von radioaktiven Zerfallsprozessen in eine Kern-Mantel-Struktur differenziert. Der Kern besteht zum gröĂten Teil aus Gestein und misst 70 % von Plutos Durchmesser. Unter der OberflĂ€che aus vorherrschendem Stickstoffeis wird der Kern von einem Mantel aus Wassereis umhĂŒllt. In der Ăbergangszone zwischen Kern und Mantel könnte sich durch die inneren SchmelzvorgĂ€nge ein möglicherweise heute noch existierender, globaler extraterrestrischer Ozean gebildet haben.cite-ref-astropage-9-0[9]
OberflÀche
Plutos OberflĂ€che entspricht mit ihrer GröĂe von 17,6 Millionen Quadratkilometern knapp der FlĂ€che von SĂŒdamerika. Sie zeigt nach der des Saturnmondes Iapetus unter allen ĂŒbrigen Körpern des Sonnensystems die gröĂten Helligkeitskontraste.cite-ref-10[10] Das erklĂ€rt die ausgeprĂ€gten Helligkeitsschwankungen, die schon von 1985 bis 1990 bei Verfinsterungen Plutos durch seinen groĂen Mond Charon gemessen wurden.
Ab 2004 wurden Pluto und Charon mit dem Spitzer-Weltraumteleskop im thermischen Infrarot beobachtet. Die Lichtkurven zeigten, dass Pluto mit rund 40 Kelvin etwa 10 Kelvin kĂ€lter ist als Charon. Ursachen sind eine höhere Albedo, wodurch weniger Sonnenlicht absorbiert wird, und eine gröĂere thermische TrĂ€gheit, wodurch die Rotation mehr WĂ€rme auf die RĂŒckseite transportiert.cite-ref-11[11]
Durch den Vorbeiflug von New Horizons konnten von Plutos OberflĂ€che die Nordhalbkugel und die sĂŒdliche Ăquatorialzone abgelichtet werden; ĂŒber dem Rest herrschte die jahreszeitliche Polarnacht. Die detailreichsten Aufnahmen wurden von den Bereichen gewonnen, die inmitten der vom Mond Charon stĂ€ndig abgewandten Seite um den 180. LĂ€ngengrad liegen. Dort fĂ€llt eine helle, nĂ€herungsweise herzförmige, homogen erscheinende Region auf. Sie liegt zum flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂeren Anteil nördlich des Ăquators und hat nach dem Entdecker des Plutos, Clyde Tombaugh, den Namen Tombaugh Regio erhalten. Innerhalb der Tombaugh-Region befindet sich ein Bereich, der Sputnik Planitia getauft wurde. Die Sputnik-Tiefebene â benannt nach dem ersten kĂŒnstlichen Satelliten Sputnik 1 â ist eine sehr groĂe EisflĂ€che, die die westliche HĂ€lfte der Tombaugh-Region einnimmt. Da sie frei von Einschlagkratern ist, gehen manche Forscher davon aus, dass sie weniger als 100 Millionen Jahre alt und möglicherweise noch in einem Zustand aktiver geologischer Formung begriffen ist. Ihr Anblick erinnert im ersten Moment an gefrorenen Schlamm. Sichtbare Schlieren in diesem Bereich könnten durch Winde verursacht sein.cite-ref-pcwelt-12-0[12] Andere Forscher gehen dabei von einer geologisch inaktiven, alten OberflĂ€che aus, auf die sich lediglich VorgĂ€nge der AtmosphĂ€re auswirken und niederschlagen.cite-ref-spektrum22-07-2015-13-0[13] Stickstoffeis flieĂt in Gletschern aus einem hellen Bereich von Osten her in die Sputnik Planitia. Man nimmt an, dass es zuvor im Zentrum der Sputnik-Ebene verdampft ist und sich östlich der Ebene niedergeschlagen hat, von wo es zurĂŒckflieĂt.cite-ref-pluto-wows-14-0[14]
Die auffĂ€llige Tombaugh-Region liegt vermutlich nicht zufĂ€llig an dem Punkt des Ăquators, der von Charon genau abgewandt ist. Nach der bevorzugten ErklĂ€rung mĂŒssen sie die Fliehkraft von Plutos Rotation und die Gezeitenkraft Charons in diese spezielle Position gebracht haben. Die Sputnik Planitia ist als Tiefebene jedoch von negativer Topologie und kĂ€me demnach durch einen Mangel an Masse fĂŒr eine positive Schwerkraftanomalie, an denen diese KrĂ€fte angreifen könnten, auf den ersten Blick nicht infrage. Bei der Tiefebene handelt es sich vermutlich um ein weniger als 100 Millionen Jahre altes Einschlagbecken, durch dessen durchlöcherten Boden Wasser eines möglichen verborgenen Ozeans eindringen konnte. Die Eisschicht, die das aufgestiegene Wasser gebildet hat, ist zwar dĂŒnner als die umgebende Eiskruste, hat aber eine höhere Massendichte, sodass dennoch eine positive Schwerkraftanomalie entstand. Nachfolgende Ablagerungen von Stickstoffeis haben diesen Effekt noch verstĂ€rkt.cite-ref-15[15]
Am SĂŒdrand der Sputnik-Ebene ragen bis in eine Höhe von 3500 Metern die Tenzing Montes, benannt nach Tenzing Norgay, einem der beiden Erstbesteiger des Mount Everest neben Edmund Hillary.cite-ref-apod18-07-2015-16-0[16] Etwas weiter nördlich, am Westrand der Sputnik-Ebene, erheben sich die Hillary Montes bis 1500 Meter ĂŒber ihre Umgebung.cite-ref-sci-news24-07-2015-17-0[17] Die hohen Berge bestehen aller Wahrscheinlichkeit nach aus Wassereis, da dieses bei den niedrigen Temperaturen hart wie Fels ist. Methan- und Stickstoffeis, die den gröĂten Teil von Plutos OberflĂ€che bedecken, sind fĂŒr solche Gebilde nicht stabil genug â obgleich ihr Gewicht auf dem Zwergplaneten nur ein FĂŒnfzehntel dessen betrĂ€gt, das sie auf der Erde haben wĂŒrden. Die Ursache ihrer Entstehung liegt noch völlig im Dunkeln, denn der Zwergplanet steht nicht unter dem gravitativen Einfluss eines noch massereicheren Himmelskörpers, der seine Kruste derart verformen könnte.cite-ref-bdw16-07-2015-18-0[18] Im Umfeld der Tenzing-Berge befinden sich zwei 3 und 5 Kilometer hohe Erhebungen, Wright Mons und Piccard Mons, mit zentralen Einsenkungen, wahrscheinlich Eisvulkane.cite-ref-spektrum-1375608-19-0[19]
In der östlichen Nachbarschaft der Tombaugh-Region liegt die Region Tartarus Dorsa â benannt nach dem Tartarus in der griechischen Mythologie, dem tiefsten Teil der Unterwelt. Das Terrain dieser BergrĂŒcken erhielt wegen seines sonderbaren Reliefs von den Bildauswertern den Spitznamen âSchlangenhautâ.cite-ref-wetteronline-642980-20-0[20] Die zerklĂŒfteten Tartarus-BergrĂŒcken erstrecken sich ĂŒber Hunderte von Kilometern und werden von annĂ€hernd parallel verlaufenden Rillen durchzogen, die durch tektonische Bewegungen entstanden sein könnten.cite-ref-stern-6598224-21-0[21] Die RĂŒcken sind von klingenartigen Graten ĂŒberzogen, die sich möglicherweise ĂŒber lĂ€ngere Zeit durch flĂŒchtiges und wiederholt gefrorenes Material herausgebildet haben.cite-ref-spektrum-1371292-22-0[22]
Auf der mit der höchsten Auflösung aufgenommenen HemisphÀre wurden 1070 Einschlagkrater gezÀhlt. Sie zeigen sehr verschiedene ErhaltungszustÀnde. Die Gebiete mit der höchsten Kraterdichte werden auf ein Alter von vier Milliarden Jahren geschÀtzt.cite-ref-spektrum-1375608-19-1[19]
FĂŒr die Benennung von Plutos Formationen hat die IAU im Rahmen ihrer Nomenklatur die Möglichkeiten auf mythologische Namen fĂŒr die Unterwelt und mit ihr verbundene Götter, Zwerge, Heroen und Entdecker, auf Raumfahrzeuge sowie auf Schriftsteller, Wissenschaftler und Ingenieure, die mit Pluto und dem KuipergĂŒrtel in Verbindung gebracht werden, eingeschrĂ€nkt.cite-ref-spon-29-07-2015-23-0[23]cite-ref-iau-naming-dwarfplanets-24-0[24] Die ersten Namen wurden am 21. September 2017 offiziell bestĂ€tigt.cite-ref-25[25]
AtmosphÀre
Plutos sehr dĂŒnne AtmosphĂ€re besteht zum gröĂten Teil aus Stickstoff, auĂerdem aus etwas Kohlenstoffmonoxid und etwa 0,5 % Methan.cite-ref-kencroswell-com-26-0[26]cite-ref-treibhausgas-27-0[27]cite-ref-spiegel-de-2-28-0[28] Nach Messungen am James Clerk Maxwell Telescope war die AtmosphĂ€re im Jahr 2011 3000 km hoch und das in ihr enthaltene Kohlenstoffmonoxid hatte eine Temperatur von â220 °C. Der atmosphĂ€rische Druck an Plutos OberflĂ€che betrĂ€gt laut der US-Weltraumbehörde NASA etwa 0,3 Pa und laut der EuropĂ€ischen SĂŒdsternwarte (ESO) um 1,5 Pa. Vermutungen ĂŒber das Ausfrieren der PlutoatmosphĂ€re nach der Passage des sonnennĂ€heren Bahnbereiches konnten bislang nicht bestĂ€tigt werden. Aus dem Vergleich spektroskopischer Messungen von 1988 und 2002 wurde sogar eine geringe Ausdehnung der GashĂŒlle abgeleitet.cite-ref-29[29] Auch eine doppelt so groĂe Masse wird vermutet.cite-ref-wissenschaft-de-1-30-0[30]
Nach Absorptionsmessungen der New-Horizons-Mission reicht die AtmosphÀre bis in eine Höhe von 1600 Kilometern.
Wie die ESO am 2. MĂ€rz 2009 mitteilte, existiert auf Pluto gröĂtenteils eine durch das atmosphĂ€rische Methan verursachte Inversionswetterlage, wodurch die Temperatur um 3 bis 15 K je Höhenkilometer zunimmt. In der unteren AtmosphĂ€re betrĂ€gt die Temperatur â180 °C und in der oberen â170 °C, wĂ€hrend am Boden etwa â220 °C herrschen. Es wird vermutet, dass dieser niedrige Wert unter anderem durch die Verdunstung von Methan verursacht wird, das vom festen in den gasförmigen Zustand ĂŒbergeht.cite-ref-archiv-eso-org-31-0[31]
Neuerlich nachgewiesen wurde das Vorhandensein einer AtmosphĂ€re am 29. Juni 2015 mit Hilfe des StratosphĂ€ren-Observatoriums fĂŒr Infrarot-Astronomie, als der Stern UCAC 4347-1165728, von der Erde aus gesehen, von Pluto 90 Sekunden lang bedeckt wurde.cite-ref-spektrum-de-1-32-0[32] Jedoch zeigen die ersten Daten von New Horizons, dass es eine Diskrepanz gibt zwischen dem von der Sonde gemessenen AtmosphĂ€rendruck und dem von der Erde beobachteten und errechneten AtmosphĂ€rendruck. Der bisherige AtmosphĂ€rendruck wird bei der Erdbeobachtung in etwa 50 bis 75 km Höhe gemessen und unter ungesicherten Annahmen auf die PlutooberflĂ€che heruntergerechnet. So erhĂ€lt man einen Druck von 2,2 Pa, wĂ€hrend New Horizons direkt auf der OberflĂ€che messen konnte und so einen Wert von 0,5 Pa erhielt.cite-ref-33[33]
Nach ersten Bildern des Vorbeiflugs entdeckte New Horizons in der PlutoatmosphĂ€re Aerosole bis in 130 km Höhe. Diese konzentrieren sich hauptsĂ€chlich auf zwei Nebelschichten, die erste etwa 50 km ĂŒber Boden und die zweite in etwa 80 km Höhe.cite-ref-34[34] Inzwischen sind ĂŒber 12 Nebelschichten bekannt, wobei die erste sich in unmittelbarer BodennĂ€he befindet.cite-ref-pluto-wows-14-1[14] AuĂerdem verliert die PlutoatmosphĂ€re fortwĂ€hrend Stickstoff, der ionisiert vom Sonnenwind weggeblasen wird.cite-ref-35[35]
Monde
Von Pluto sind fĂŒnf natĂŒrliche Satelliten bekannt. Ihre Umlaufbahnen sind annĂ€hernd kreisförmig und zueinander komplanar. Sie liegen in Plutos stark geneigter Ăquatorebene, nicht in seiner Bahnebene. Zur Umlaufperiode des dominierenden Charon sind die Umlaufperioden der ĂŒbrigen, Ă€uĂeren Monde annĂ€hernd resonant; die VerhĂ€ltnisse betragen rund 1:3:4:5:6.
Mit Charon hat Pluto einen verhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂen Mond, daher wird mitunter vom âDoppelsystem Pluto-Charonâ gesprochen. Das GröĂenverhĂ€ltnis ist noch geringer als das des Erde-Mond-Systems und betrĂ€gt in Bezug auf den Durchmesser weniger als 2:1. Bedingt durch das MassenverhĂ€ltnis von gut 8:1 und einen Abstand von knapp 15 Plutoradien liegt der gemeinsame Schwerpunkt, das Baryzentrum des Systems, auĂerhalb von Pluto. Damit umkreisen Charon und Pluto einander.
Die vier kleineren Trabanten bewegen sich nĂ€herungsweise um den gemeinsamen Schwerpunkt von Pluto und Charon, daher ist auf lange Sicht wahrscheinlich bei allen die Umlaufbahn nicht vorhersagbar (Dreikörperproblem).cite-ref-raumfahrer-net-1-36-0[36] Durch die ungleichförmig zusammenwirkenden Gravitationsfelder von Pluto und Charon haben sie auch keine gebundene Rotation wie Charon; zudem sind ihre Rotationsachsen sehr stark geneigt und ihr Rotationsverhalten ist ĂŒber lĂ€ngere Zeit hinweg ebenfalls nicht konstant. Die Gestalt von Kerberos und Hydra spricht fĂŒr eine Verschmelzung von jeweils zwei kleineren Körpern.cite-ref-spektrum-1375608-19-2[19]
Die Entstehung der Plutomonde wird nach dem Vorbild der Kollisionstheorie zur Entstehung des Erdmondes durch den streifenden ZusammenstoĂ von Pluto mit einem anderen groĂen Körper des KuipergĂŒrtels erklĂ€rt, durch den TrĂŒmmer in Umlaufbahnen um Pluto gerieten, aus denen sich dort die Monde bildeten. Diese gĂ€ngige Theorie wurde schon fĂŒr Charon vor der Entdeckung der vier kleinen herangezogen.cite-ref-spiegel-843944-37-0[37]cite-ref-astris-559-38-0[38] FĂŒr eine gemeinsame Entstehung aller Plutomonde sprechen die komplanaren Bahnen mit den annĂ€hernd resonanten Umlaufzeiten sowie die farblich einheitlichen OberflĂ€chen. Bei einem Einfang wĂ€re eher eine unterschiedliche FĂ€rbung zu erwarten gewesen.
Pluto und seine Monde sind im KuipergĂŒrtel einem dauernden Bombardement von Minimeteoriten ausgesetzt, die Staub- und Eispartikel aus den OberflĂ€chen herausschlagen. WĂ€hrend die Gravitation von Pluto und Charon dafĂŒr sorgt, dass alle TrĂŒmmerstĂŒcke auf die Himmelskörper zurĂŒckfallen, reicht die Anziehungskraft der kleineren Monde dafĂŒr nicht aus. Daher vermuten die Wissenschaftler, dass diese in astronomischen ZeitrĂ€umen durch weitere EinschlĂ€ge so viel Material verlieren, dass sich allmĂ€hlich ein Staubring um Pluto bilden wird.
Die Entdeckung weiterer Plutomonde kam unerwartet, da jenseits des Neptuns bis dahin kein Himmelskörper mit mehr als einem Satelliten beobachtet worden war; jedoch wurde bereits einen Monat spĂ€ter auch bei (136108) Haumea ein zweiter Mond gefunden. Da Pluto und Charon mit einiger Berechtigung als Doppel(zwerg)planet aufgefasst werden können, kann man Nix und Hydra auch als ersten Nachweis fĂŒr zirkumbinĂ€re Satelliten mit einigermaĂen stabilen Bahnen in einem Doppelsystem sehen.
Mit New Horizons wurde vor dem Vorbeiflug aus SicherheitsgrĂŒnden nochmals intensiv nach Trabanten und Staubringen gesucht; es konnten jedoch keine weiteren Plutomonde entdeckt werden. Sollte es sie dennoch geben, könnten sie höchstens etwa ein Viertel der Helligkeit des kleinen, dunklen Kerberos haben.cite-ref-spektrum-de-2-39-0[39]
| Name | EntÂdeckung | Objekt | Objekt | Objekt | BahnÂparameter | BahnÂparameter | BahnÂparameter | BahnÂparameter | Helligkeit | Helligkeit | Helligkeit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Name | EntÂdeckung | Bild [ 40 ] | DurchÂmesÂser (km) | Masse (10 18 kg) | GroĂe Halb- achse (km) | Umlaufzeit (Tage) | Exzen- trizitĂ€t | Inkli- nation | Max. | Ă | Min. |
| Charon | 1978 | | 1212 [ 41 ] | 1587 [ 42 ] | 17 536 ± 3* | 0 6,387 230 | 0,002 2 [ 43 ] | 0,001° | 15,8 m | 16,8 m | 18,3 m |
| Nix | 2005 | | â 49,8 Ă 33,2 Ă 31,1 | †0,09 [ 42 ] | 48 690 ± 3* | 24,854 8 00 | 0,000 00 | 0,0° | 23,3 m | 24,4 m | 24,9 m |
| Hydra | 2005 | | â 50,9 Ă 36,1 Ă 30,9 [ 44 ] | †0,09 [ 42 ] | 64 721 ± 3* | 38,202 1 00 | 0,005 54 | 0,3° | 22,9 m | 24,0 m | 25,2 m |
| Kerberos | 2011 | | â 12 Ă 4,5 | †0,03 [ 42 ] | 57 750 ± 3* | 32,167 9 00 | 0,000 00 | 0,4° | 25,7 m | 26,8 m | 28,1 m |
| Styx | 2012 | | â 16 Ă 9 Ă 8 | 0,007 5 | 42 656 ± 78 | 20,161 55 0 | 0,000 01 | 0,0° | 26,6 m | 27,7 m | 29,0 m |
Bemerkung
âą Max.: Pluto-Perihel, Konjunktion, hellste Seite der Erde zugewandt Min.: Pluto-Aphel, Opposition, dunkelste Seite der Erde zugewandt
Erforschung
Entdeckung
Die Entdeckungsgeschichte des Pluto Ă€hnelt in gewisser Weise der des gut 83 Jahre zuvor gefundenen Neptun. Bei beiden Himmelskörpern wurde versucht, ihre Entdeckung anhand von Bahnstörungen des Nachbarplaneten vorherzusagen. Im Falle Plutos gilt das tatsĂ€chliche Auffinden eines Objektes im entsprechenden Suchgebiet jedoch letztlich als reiner Zufall, da die Masse Plutos fĂŒr die der Rechnung zugrundeliegenden Störungen nicht ausreicht.cite-ref-fa-45-0[45]
Pluto wurde am 18. Februar 1930 am Lowell-Observatorium durch Vergleiche einiger Himmelsaufnahmen am Blinkkomparator nach rund 25-jĂ€hriger Suche entdeckt, allerdings nicht an genau der vorausgesagten Position. Der junge Entdecker Clyde Tombaugh war erst kurz zuvor fĂŒr die fotografische Suche nach dem legendĂ€ren Transneptun angestellt worden. Der Marsforscher Percival Lowell hatte seit 1905 selbst nach einem solchen Himmelskörper gesucht und das Lowell-Observatorium finanziert. Wie sich spĂ€ter herausstellte, war auf zwei der fotografischen Platten, die Lowell 1915 angefertigt hatte, Pluto bereits zu erkennen. Da Lowell nach einem viel helleren Objekt Ausschau hielt, war ihm diese Entdeckung entgangen.
Die Entdeckung wurde der Ă€uĂerst interessierten Ăffentlichkeit am 13. MĂ€rz 1930 verkĂŒndet, dem 149. Jahrestag der Entdeckung des Uranus durch William Herschel 1781 und dem 75. Geburtstag von Percival Lowell, der bereits 1916 verstorben war.
Nun suchte man nach einem passenden Namen. Das Vorrecht der Namensgebung lag beim Lowell-Observatorium. Dort traf recht bald eine groĂe Menge an VorschlĂ€gen ein. Der Name des Herrschers der Unterwelt fĂŒr diesen Himmelskörper so fern der Sonne wurde von Venetia Burney vorgeschlagen, einem elfjĂ€hrigen MĂ€dchen aus Oxford, das sich sehr fĂŒr klassische Mythologie interessierte. Von der Meldung ĂŒber die Entdeckung und Namenssuche in der Times erfuhr sie durch ihren GroĂvater, Falconer Madan, schon am Morgen nach der VerkĂŒndung der Entdeckung. Er war pensionierter Bibliothekar der Bodleian Library und fand ihren Vorschlag so gut, dass er davon Herbert Hall Turner, einem befreundeten Astronomen und Professor fĂŒr Astronomie an der UniversitĂ€t Oxford, erzĂ€hlte. Ăber diesen gelangte er per Telegramm am 15. MĂ€rz an das Lowell-Observatorium, wo er im Mai desselben Jahres angenommen wurde. Nach dem Reglement der IAU hatte die Namensgebung nach mythologischen Gesichtspunkten zu erfolgen.cite-ref-bbc-4596246-46-0[46] Venetias GroĂonkel Henry Madan, Science Master am Eton College, hatte schon die Namen Phobos und Deimos fĂŒr die Monde des Mars vorgeschlagen.cite-ref-bbc-4596246-46-1[46] Der Namensvorschlag Pluto fĂŒr den gesuchten neunten Planeten kam erstmals bereits 1919 von dem französischen Arzt und Amateurastronomen P. Reynaud, doch daran konnte sich 1930 auĂerhalb von Frankreich anscheinend kaum mehr jemand erinnern.cite-ref-47[47] FĂŒr den Autor Richard Buschick galt jedoch nur drei Jahre vor Plutos Entdeckung dessen zukĂŒnftiger und heutiger Name schon als gegeben.cite-ref-48[48] Bei der letztendlichen, offiziellen Namenswahl dĂŒrfte auch eine Rolle gespielt haben, dass sich das astronomische Symbol aus den Initialen Lowells zusammensetzen lieĂ. Zuvor war von seiner Witwe schon Percival, Lowell und sogar ihr eigener Name Constance vorgeschlagen worden.cite-ref-49[49]
Wegen seiner relativen NĂ€he und GröĂe wurde Pluto mehr als 60 Jahre frĂŒher entdeckt als das nĂ€chste eigenstĂ€ndige transneptunische Objekt: (15760) Albion. Ăber die seinerzeit festgestellten Bahnabweichungen von Neptun und Uranus wird mittlerweile vermutet, dass sie nur durch eine kleine, unvermeidliche Messabweichung vorgetĂ€uscht wurden. AuĂerdem wurde die Masse von Neptun vor dem Vorbeiflug von Voyager 2 falsch eingeschĂ€tzt. Seit die genaue Masse von Neptun bekannt ist, können die Bahnen der Ă€uĂeren Planeten gut erklĂ€rt werden, das heiĂt, ein weiterer Planet mĂŒsste sehr viel weiter entfernt sein.
Erdgebundene Erforschung
Mit seinem Winkeldurchmesser von weniger als 0,1âł entzog sich Pluto lange Zeit einer direkten Bestimmung seines Durchmessers, da er im Fernrohr nur als Punkt zu erkennen war. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde sein Durchmesser mit 14.000 kmcite-ref-50[50] postuliert, damit man die Bahnstörungen von Neptun halbwegs erklĂ€ren konnte, die eine Masse von 2 bis 11 Erdenmassen erforderten, allerdings auf Rechenfehler und falschen Annahmen beruhten (Pickering und Lowell). Um dies mit seiner scheinbaren Helligkeit von 15m zu vereinbaren, wurde Pluto mit einer Albedo von 2 %cite-ref-51[51] als extrem dunkles Objekt eingestuft. Kuiper beobachtete im Jahr 1950 Pluto und bestimmte den Scheibchendurchmesser mit 0,23Ⳡ± 0,01âł und damit den Durchmesser mit knapp 6000 km. Unklar ist die Quelle der Genauigkeit und warum der 0,58âł entfernte Charon nicht erkannt wurde.cite-ref-52[52] Eine Sternbedeckung im Jahr 1966 (Halliday u. a.) lieĂen sich nur mit einem Durchmesser von maximal 6800 kmcite-ref-53[53] vereinbaren. Weitere Zweifel kamen 1976 durch spektroskopische Untersuchungen von Dale P. Cruikshank, David Morrison und Carl B. Pilcher, die durch charakteristische Absorptionslinien auf Methaneis und ein eher sehr helles Objekt mit einer Albedo von eher 50 bis 80 % hinwiesen und damit nur noch Durchmesser von weniger als 3000 km zulieĂen. Mit der Entdeckung von Charon im Jahr 1978 und den in den Jahren 1985 bis 1990 erfolgten Bedeckungen von Pluto durch Charon wurde der Durchmesser weiter auf 2306 km korrigiert, Werte die im Wesentlichen 1994 durch das Hubble-Weltraumteleskop (HST) mit 2390 km bestĂ€tigt wurden.cite-ref-54[54] Seit New Horizon ist der Durchmesser mit 2370 km ziemlich genau bekannt.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56]cite-ref-57[57]cite-ref-58[58]
Mit der Entwicklung leistungsstarker Teleskope mussten Durchmesser und Masse des Pluto kontinuierlich nach unten revidiert werden, zunĂ€chst um 1950 nach Messungen der Sternwarte Mount Palomar auf halbe ErdgröĂe. Bald scherzte man, dass Pluto bei Extrapolation der Messwerte wohl bald völlig verschwinden werde. Unkonventionelle Theorien wurden postuliert: Pluto sei in Wirklichkeit groĂ, man sehe aber nur einen kleinen, hellen Fleck auf der OberflĂ€che. Der Astronom Fred Whipple errechnete erstmals eine genaue Umlaufbahn. Dazu konnten Fotoplatten herangezogen werden, auf denen sich Pluto bis in das Jahr 1908 zurĂŒckverfolgen lieĂ. Die Entdeckung des Mondes Charon im Jahr 1978 ermöglichte dann eine genaue Massebestimmung mittels der Gravitationsdynamik des Systems. Von 1985 bis 1990 kam es zu wechselseitigen Bedeckungen zwischen den beiden, mit denen der Durchmesser von Pluto schlieĂlich auf 2390 km bestimmt wurde. SpĂ€tere Messungen mit adaptiver Optik, mit dem Hubble-Weltraumteleskop und bei Bedeckungen von Sternen haben Werte von etwa 2280 bis 2320 km ergeben. Aufnahmen der Raumsonde New Horizons ergaben im Juli 2015 einen Durchmesser von 2370 km.cite-ref-durchmesser-41-1[41]
Kombinationen von Aufnahmen mit dem Hubble-Weltraumteleskop haben gezeigt, dass Plutos NordhemisphÀre in den Jahren 2002 und 2003 heller geworden ist und der Zwergplanet insgesamt rötlicher wirkt.cite-ref-spiegel-de-1-59-0[59]
Die NASA veröffentlichte 1994 die ersten globalen Bilder von Pluto, bei denen Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops zu einer OberflĂ€chenkarte verrechnet wurden. Mit sehr groĂem Aufwand generierten Wissenschaftler um Marc W. Buie 2010 eine OberflĂ€chenkarte von Pluto, die fĂŒr gut fĂŒnf Jahre die genaueste Karte des Zwergplaneten war. DafĂŒr verwendeten sie 384 nur wenige Pixel groĂe Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops, die zwischen 2002 und 2003 erstellt worden waren. Mittels Dekonvolution und weiterer ausgefeilter Algorithmen wurde daraus innerhalb von 4 Jahren auf 20 Computern eine OberflĂ€chenkarte von Pluto errechnet.cite-ref-raumfahrer-net-2-60-0[60]cite-ref-wissenschaft-de-3-61-0[61]
Erforschung mit Raumsonden
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Hauptartikel
:
New Horizons
Von 1977 bis 1979 gab es mehrere gĂŒnstige Startfenster fĂŒr eine Pluto-Raumsonde. Voyager 1 hĂ€tte nach ihrem Vorbeiflug am Saturn mittels Swing-by eine gĂŒnstige Flugbahn zum Pluto einnehmen können, der Zwergplanet hĂ€tte sich dann bei der Ankunft im Jahr 1986 fast an seinem sonnennĂ€chsten Punkt befunden. Man entschied sich aber fĂŒr eine andere Route, die Voyager 1 möglichst nah am Saturn-Mond Titan vorbeifliegen lieĂ. Das Ziel war, Fotos von dessen OberflĂ€che anzufertigen, was aber schlieĂlich durch seine zuvor unbekannte Wolkenschicht verhindert wurde. Der Pluto als SekundĂ€rmission schien damals deutlich uninteressanter, denn man ging damals noch davon aus, dass er ĂŒber keine AtmosphĂ€re verfĂŒgt. Der Mond Charon wurde erst ein Jahr spĂ€ter entdeckt, sonst wĂ€re das Interesse an einer Erforschung wohl gröĂer gewesen.
Ab Beginn der 1990er Jahre plante die NASA dann unter dem Namen âPluto Fast Flybyâ eine rasche Vorbeiflug-Mission zum Pluto, bevor seine dĂŒnne AtmosphĂ€re ausfriert â seinen sonnennĂ€chsten Bahnpunkt hatte Pluto schon 1989 durchschritten und wird ihn erst 2247 wieder erreichen. Zeitweise war geplant, zwei Sonden zu verwenden, um beide Seiten von Pluto und Charon untersuchen zu können. Nachdem erste Konzepte an technischen Schwierigkeiten sowie an mangelnder Finanzierung gescheitert waren, wurde 2001 die Umsetzung der nun âNew Horizonsâ genannten Mission im Rahmen des New-Frontiers-Programms genehmigt. Die Raumsonde startete am 19. Januar 2006 und flog am 14. Juli 2015 an Pluto und Charon vorbei. Aufnahmen der Sonde im April 2015 ĂŒbertrafen bereits die des Hubble-Teleskops. Es wurden
⹠globale Karten des Zwergplaneten und seines Mondes erstellt, mit spektraler Auflösung im Sichtbaren und IR,
⹠die AtmosphÀre des Pluto in Transmission studiert, mit spektraler Auflösung im UV-Bereich,
⹠Hochauflösungsfotos mit bis zu 25 m pro Pixel Auflösung gewonnen,
âą das elektrische und magnetische Feld sowie Ionen, Neutralteilchen und Staub gemessen.
Die komplette Ăbertragung aller Daten dauerte lĂ€nger als 15 Monate und endete am 25. Oktober 2016.cite-ref-jpl20161027-62-0[62]
Debatte um Planetenstatus und Aberkennung
Die Diskussion darĂŒber, ob Pluto ĂŒberhaupt die Bezeichnung âPlanetâ verdiene, begann bereits, als man auĂer seiner stark elliptischen und sehr geneigten Umlaufbahn auch seine geringere GröĂe erkannt hatte. Nachdem im September 1992 mit 1992 QB1 nach Pluto und Charon das dritte transneptunische Objekt gefunden worden war, entdeckten die Astronomen ein Jahr spĂ€ter binnen vier Tagen vier weitere Plutinos. Damit steigerte sich die Debatte um Plutos Status. Der Vorschlag von Brian Marsden vom MPC aus dem Jahr 1998, Pluto einen Doppelstatus zu verleihen und ihn zusĂ€tzlich als Asteroiden mit der herausragenden Nummer 10000 einzuordnen, um dadurch einer durch Neuentdeckungen sich stĂ€ndig Ă€ndernden Planetenanzahl vorzubeugen, fand keine Zustimmung.
Im Laufe der Zeit wurden Hunderte weitere Objekte des KuipergĂŒrtels entdeckt, darunter manche von plutoĂ€hnlicher GröĂe. Solch herausragende Entdeckungen, wie vor allem von Eris, wurden von den Medien hĂ€ufig als âzehnter Planetâ bezeichnet. Mit der ersten wissenschaftlichen Begriffsbestimmung eines Planeten wurde zusammen mit Pluto keines dieser Objekte als solcher bestĂ€tigt. Stattdessen wurde von der IAU im Jahr 2006 fĂŒr derartige Körper die neue Klasse der Zwergplaneten definiert.
Die verabschiedete Definition mit dem Zusatz, nach der ein Körper nur dann ein Planet ist, wenn seine Masse die Gesamtmasse aller anderen Körper in seinem Bahnbereich ĂŒbertrifft, berĂŒcksichtigt, dass Pluto seinen Bahnbereich nicht in dem MaĂe von anderen Körpern gerĂ€umt hat. Als MaĂ fĂŒr dieses VerhĂ€ltnis ist die planetarische Diskriminante eingefĂŒhrt worden. Als das gröĂte Plutino entspricht Pluto eher der Rolle des Asteroiden (153) Hilda, des gröĂten Mitglieds der Hilda-Gruppe. Hilda und mindestens 56 weitere Objekte bewegen sich ein StĂŒck auĂerhalb des HauptgĂŒrtels der Asteroiden analog in einem 2:3-VerhĂ€ltnis zur in diesem Fall lĂ€ngeren Umlaufzeit des benachbarten Riesenplaneten.
Gleichzeitig wurde die Definition einer neuen Klasse von Planeten vorgeschlagen, der sogenannten âPlutonenâ, zu der Planeten gehören sollten, die fĂŒr einen Umlauf um den Stern lĂ€nger als 200 Jahre brauchen, und zu der dann auch Pluto gehört hĂ€tte. Dieser Vorschlag fĂŒr die Planetendefinition konnte sich auf der Generalversammlung jedoch nicht durchsetzen, sodass am 24. August 2006 durch Abstimmung die Entscheidung fiel, Pluto den Planetenstatus abzuerkennen und ihn in die neue Klasse der Zwergplaneten einzustufen. Die Klasse der Plutonen wurde zwar definiert (mit Pluto als Prototyp), blieb aber vorerst unbenannt, da die Bezeichnung als Plutonen wie auch andere VorschlĂ€ge verworfen wurde.cite-ref-spiegel-de-3-63-0[63]cite-ref-faz-net-1-64-0[64] Im Juni 2008 wurde fĂŒr diese vorher unbenannte Unterklasse der Zwergplaneten die Bezeichnung âPlutoidenâ festgelegt.
Seit September 2006 hat Pluto die Kleinplanetennummer 134340.cite-ref-archiv-harvard-edu-1-65-0[65]cite-ref-harvard-edu-1-66-0[66] Eine solche eindeutige Nummer wird in der Regel fortlaufend vergeben, sobald die Bahn eines Asteroiden oder Zwergplaneten durch genĂŒgend viele Beobachtungen genau genug bekannt ist. Plutos Bahn war zwar schon lange hinreichend bestimmt, aber aufgrund seiner vorangegangenen Einstufung als Planet kam fĂŒr ihn rund 76 Jahre lang keine Kleinplanetennummer in Frage. Die letzten vor Pluto entdeckten Asteroiden erhielten die Nummern 1143 und 1144.
2009 beschloss der Senat von Illinois, dem Heimatbundesstaat des Pluto-Entdeckers Clyde Tombaugh, Pluto weiterhin als Planeten zu betrachten.cite-ref-archiv-handelsblatt-com-1-67-0[67] Nicht angenommen hingegen wurde ein entsprechender Resolutionsentwurf im Senat von Kalifornien, der u. a. damit begrĂŒndet war, dass Pluto den gleichen Namen wie Kaliforniens berĂŒhmtester Trickfilmhund hat, dass die Ănderung Millionen kalifornischer SchulbĂŒcher unbrauchbar machen wĂŒrde und dass sie psychologische SchĂ€den bei Kaliforniern verursachen werde, die ihren Platz im Universum in Frage stellen wĂŒrden.cite-ref-senatcal-68-0[68] Der NASA-Administrator Jim Bridenstine erklĂ€rte im Jahr 2019 ebenfalls, dass er Pluto weiterhin als Planeten betrachte.cite-ref-69[69]cite-ref-70[70]
Sichtbarkeit
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Hauptartikel
:
Plutopositionen
Um Pluto sehen zu können, ist ein Teleskop mit einer Ăffnung von mindestens 200 mm nötig.cite-ref-71[71] Derzeit wandert er durch das Sternbild Steinbock.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73] Da Pluto am 5. September 1989 das Perihel durchlaufen hat, entfernt er sich seither auf der elliptischen Umlaufbahn von der Sonne; daher finden aufeinanderfolgende Oppositionen bis zum Jahr 2113 bei zunehmend gröĂerer Entfernung mit abnehmender scheinbarer GröĂe und abnehmender Helligkeit des Zwergplaneten statt.
Rezeption
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Hauptartikel
:
Pluto (Astrologie)
Schon vor der eigentlichen Entdeckung wurde von Astrologen ĂŒber einen hypothetischen Planeten jenseits des Neptun spekuliert. Das Interesse hĂ€lt seit der Entdeckung unvermindert an und wurde auch durch die Herabstufung Plutos zum Zwergplaneten nicht reduziert. Welche Rolle Pluto im Horoskop spielen und wie allgemein sein Einfluss zu charakterisieren sein soll, darĂŒber hat sich unter Astrologen bislang allerdings kein Konsens etabliert.
Im Entdeckungsjahr 1930 erfand Disney den Zeichentrickhund Pluto, der nach dem neu entdeckten Himmelskörper benannt wurde. Im Jahr 1942 erhielt nach dem als Planet geltenden astronomischen Zuwachs das neue chemische Element 94 den Namen Plutonium. 1955 wurde der Pluto-Gletscher auf der antarktischen Alexander-I.-Insel nach dem astronomischen Objekt benannt. 2012 lief in den USA ein halbtauchendes U-Boot mit dem Namen des Zwergplaneten vom Stapel.
1987 erschien von Kim Stanley Robinson der Science-Fiction-Roman Die eisigen SÀulen des Pluto, nach der Originalausgabe Icehenge von 1984. In ihm entdecken Raumfahrer Mitte des dritten Jahrtausends auf dem Pluto ein rÀtselhaftes, riesiges Monument aus Eis.cite-ref-74[74]
Im Jahr 2000 komponierte Colin Matthews als ErgĂ€nzung zur Orchestersuite The Planets (Die Planeten, 1914â1916) von Gustav Holst den achten Satz Pluto, the Renewer (Pluto, der Erneuerer).cite-ref-75[75]
Siehe auch
Literatur
âą Alan Stern, Jaqueline Mitton: Pluto and Charon. Ice Worlds on the Ragged Edge of the Solar System. University of Arizona Press, Tucson, AZ 1997, ISBN 0-8165-1840-8; 2. erweiterte Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2005, ISBN 3-527-40556-9 (englisch).
âą S. Alan Stern, Jeffrey M. Moore, William M. Grundy u. a. (Hrsg.): The Pluto System After New Horizons (University of Arizona Space Science). 2021, ISBN 978-0-8165-4094-5.
âą David A. Weintraub: Is Pluto a Planet? A Historical Journey through the Solar System. Princeton University Press, Princeton NJ 2007, ISBN 978-0-691-12348-6 (englisch).
âą Leif Allendorf: Planet Pluto. Die Geheimnisse des Ă€uĂeren Sonnensystems. Avinus, Berlin 2007, ISBN 978-3-930064-76-2.
⹠Silvia Protopapa: Surface characterization of Pluto, Charon and (47171) 1999 TC36. Copernicus Publishing, Katlenburg-Lindau 2009, ISBN 978-3-936586-96-1. Dissertation Technische UniversitÀt Braunschweig. 2009 (englisch).
âą Tilmann Althaus: Erste Details von Pluto. In: Sterne und Weltraum. September 2015, S. 26â37. (Abstract, abgerufen am 21. Dezember 2021).
Dokumentarfilme
âą Kopernikus â RĂ€tsel der Galaxis â Der Zwergplanet Pluto. TV-Dokumentation in HD, USA 2018, deutsche Synchronfassung, ServusTV 2019.
Weblinks
Commons
: Pluto
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikibooks: Pluto
â Lern- und Lehrmaterialien
âą Pluto-Website der NASA.
âą Solar System Exploration. Pluto. In: NASA.gov. Abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
âą Offizielle Webseite der NASA zur Pluto-Mission New Horizons mit aktuellen Informationen (englisch).
âą Inoffizielle Infoseite zu New Horizons, Teil des Webauftritts des APL (englisch).
âą Spektrum.de: Pluto, ein ĂŒberraschend dynamischer Eiszwerg. 18. Februar 2020.
âą Martin Holland: Pluto doch ein Planet? â Neue Kritik an âDegradierungâ. In: Heise.de. 1. November 2021.
Einzelnachweise
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cite-note-daten-nasa-22. David R. Williams: Pluto Fact Sheet. In: NASA.gov. 20. MĂ€rz 2020, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
cite-note-33. â John Lewis (Hrsg.): Physics and chemistry of the solar system. 2. Auflage. Elsevier, 2004, S. 64.
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cite-note-77. â C. Friedemann: Entdeckung eines Plutomondes. In: Die Sterne. Band 55. Franckhâsche Verlagshandlung, 1979, S. 150 (books.google.de [abgerufen am 21. Dezember 2021]).
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cite-note-astris-559-3838. â Die Entstehung von Pluto und Charon. In: astris.de. 31. Januar 2005, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 14. Mai 2010; abgerufen am 1. August 2022.
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cite-note-boulder-swri-edu-1-403. Marc W. Buie: Mapping the surface of Pluto and Charon. In: boulder.swri.edu, Abgerufen am 21. Dezember 2021.
cite-note-durchmesser-4141. How Big Is Pluto? New Horizons Settles Decades-Long Debate. In: NASA.gov, Abgerufen am 21. Dezember 2021.
cite-note-nixhydramass-424. Marina BrozoviÄa, Mark R. Showalterb, Robert A. Jacobsona, Marc W. Buiec: The orbits and masses of satellites of Pluto. In: Icarus. Special Issue: The Pluto System (= Icarus). Band 246, 15. Januar 2015, 1. Introduction, S. 317â329, doi:10.1016/j.icarus.2014.03.015.
cite-note-eccentricity-435. ExzentrizitÀt und Inklination von Pluto und Charon sind gleich, da sich die Werte auf das gleiche Zweikörperproblem beziehen (der gravitative Einfluss der kleineren Monde ist hier vernachlÀssigt).
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